Die Wirkung von Qualitätsszenarien wird aus meiner Sicht nach wie vor unterschätzt. Dabei bilden die Erarbeitung der Qualitätsszenarien die Basis eines jeden IT-Systems. Sie bestimmen maßgeblich den Erfolg oder Mißerfolg. Sich nicht mit dem Thema auseinander zusetzen, bedeutet sehr wahrscheinlich wesentliche Anforderung zu übersehen.

Motivation

“Das Thema ist so trocken!” Diese und ähnlich Antworten habe ich desöfteren von Entwicklern wahrgenommen. Da ich das Thema für sehr wichtig halte, habe ich mir Gedanken gemacht, wie man das Qualitätsszenarien interessanter vermitteln kann. Mein Umfeld arbeit häufig mit spielerischen Mitteln, um Themen greifbarer zu gestalten. Also habe ich mich durch Scrum Poker, Risk Storming, Domain Story Telling u.ä. inspirieren lassen.

Game of Quality

In dem Game of Quality geht es darum, die Qualitätsszenarien für ein IT-System mit einer Gruppe von Workshop Teilnehmern zu erarbeiten. Dadurch soll ein gemeinsames Verständnis für die zu erreichende Qualität des IT-Systems entstehen (Klebezettel in gelb):

Game of Quality Workshop

Produkt Vision und Geschäftsziele

Im ersten Schritt sammeln die Workshop Teilnehmer die Geschäftsziele des IT-Systems und kleben diese in den oberen Bereichs des Quality Circles (Klebezettel in Pink). Die einzige Regel in diesem Schritt: Mehr Geld, Umsatz o.ä. sind triviale Gründe. Sie sind als bereits gegeben vorrausgesetzt und dienen nicht der kreativen Auseinandersetzung mit den Zielen des IT-Systems.

Stakeholder

Im zweiten Schritt identifzieren die Workshop Teilnehmer die Stakeholder, die Berührungspunkte mit dem IT-System haben. Sie stellen Anforderungen explizit oder implizit an das System. Die grünen Inspirationskarten stellen mögliche Stakeholder dar und sollen die Diskussion zwischen den Teilnehmern anregen. Die Karten werden verteilt und abwechselnd legen die Teilnehmer einen relevanten Stakeholder in die Mitte des Quality Circles. Sie erläutern beim Ablegen warum der jeweilige Stakeholder für das IT-System relevant ist.

Qualitätsattribute

Im dritten Schritt bestimmen die Workshop Teilnehmer die Qualitätsattribute, die implizit oder explizit von den Stakeholdern gefordert werden, damit das IT-System die Geschäftsziele unterstützen kann. Die blauen Inspirationskarten sollen dabei helfen die passenden Attribute zu finden. In mehreren Iterationen wählen die Teilnehmer alle relevanten Attribute aus und platzieren sie im Quality Circle, sofern sie der Zielerreichung dienen. Alle Übrigen platzieren sie außerhalb. So sind sie immer noch sichtbar. In mehreren Runden diskutieren die Teilnehmer die verschiedenen Attribute und ihre Relevanz.

Priorisierung

Nach einigen Runden nehmen die Diskussionen ab. Nun voten die Workshop Teilnehmer die wichtigsten 4 bis 6 Qualitätsattribute und priorisieren sie. Die Priorisierung ist wichtig, damit nicht alles gleich wichtig und damit nicht realisierbar wird.

Szenarien

Sobald die Priorisierung der TOP Qualitätsattribute erreicht ist, hat die Gruppe das erste wichtige Etappenziel erreicht. Im nächsten Schritt werden die konkreten Szenarien arbeitet. Dazu wird die Gruppe in kleinere Teams (2-3 Leute) aufgeteilt. Die Teams beginnen die TOP Attribute in Szenarien zu formulieren. Meistens ist in den Diskussionen vorher bereits genug Material entstanden. Es ist jedoch nicht einfach die Zielwerte der jeweiligen Szenarien zu bestimmen. Deswegen sollte für diesen Schritt viel Zeit eingeplant werden.

Eat Sleep Evolve Repeat

Geschafft! Der Workshop hat den Grundstein für die weitere Arbeit an den Szenarien gelegt. Im Anschluss können die nächsten Szenarien erarbeitet werden. Es ist sinnvoll den Workshop regelmäßig (jährlich) zu wiederholen, um die Prioritäten für die richtige Qualität immer wieder zu prüfen und ggf. zu korrigieren.

Workshop 1.0

Sobald ich das erste Feedback der Teilnehmer eingearbeitet habe, werde ich hier die Details des Workshops und auch die Materialien dazu veröffentlichen.

Das Bild ist von wetwebwork - vielen Dank dafür!