“Wir brauchen einen Raum für Führungsexperimente!” So ähnlich lautete einen Tweet vor ein paar Tagen. Warum empört das einige Menschen? Vielleicht, weil die Menschen nicht als Laborratten betrachtet werden wollen. Ich erwarte von einer Führungskraft, dass sie Leadership gelernt hat und keine Experimente mehr mit mir durchführt. Aber wo erlernst Du Leadership?

Martin Rütter hat mich zu dieser Idee inspiriert: Hunde haben bekanntlich ein ausgeprägtes Sozialverhalten. Sie leben im Rudel und passen ständig die Hierarchien in der Gruppe an. Als einzige Tierart akzeptieren Hunde den Menschen als Sozialpartner. Hund und HalterIn bilden ein Rudel. Gute Voraussetzungen um zu lernen wie informelle Hierarchien funktionieren. Der Hund kennt nur diese Art der Hierarchie.

Wenn ich es schaffe meinen Hund zu führen, dann lerne ich selbst etwas über Leadership. In dem Fall wird mein Hund zur Laborratte. Hunde haben die tolle Eigenschaft, dass sie uns Menschen viele Erziehungsfehler verzeihen. Kleinere Experimente richten keinen großen Schaden an.

Mir ist klar, dass ich die Lernergebnisse nicht eins zu eins auf den Menschen übertragen kann. Die Kollegen werden nicht auf das Kommando “Sitz!” reagieren. Es geht mir darum die Grundprinzipien kennen zulernen. Was zähle ich dazu?

  • Verantwortung übernehmen (Ich hafte für alles, was mein Hund anstellt.)
  • Soziale Ausbildung durchführen (Mein Hund soll sich in der Gesellschaft zurechtfinden.)
  • Sicheren Unterschlupf bereitstellen (Mein Hund soll sich sicher und geborgen fühlen.)
  • Für genügend Nahrung sorgen (Mein Hund soll kein Hunger leiden.)
  • Vertrauensvolle Beziehung aufbauen (Mein Hund soll ausgeglichen sein.)
  • Gesundheitliche Vorsorge betreiben (Mein Hund soll gesund sein und sich wohlfühlen.)

Mein Hund soll ein erfülltes Hundeleben haben. Seit drei Jahren haben wir einen Labrador. Seit dieser Zeit denke ich anders über Leadership. Uns wird regelmäßig bescheinigt, dass wir einen gut aussehenden, braven und ausgeglichenen Hund haben. Ab und zu werden aber noch Fußgänger angepöbelt. Alle Artgenossen wollen bespielt werden. Vieles habe ich also schon geschafft. Es gibt aber auch noch Luft nach oben.

Ob Experimente - wie auf Twitter gefordert - möglich sind, könnt ihr selbst herausfinden. Über meine Lernerfahrungen zum Thema Leadership werde ich unter dem Tag #sully schreiben.

==== Update 15.05.2019

Vielen Dank für das Feedback auf Twitter und Gesprächen. Ich habe daraufhin den Untertitel geändert in “Was ich von der Arbeit mit Hunden über Leadership gelernt habe”.